| Filmkritik: Jud Süss - Film ohne Gewissen |
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OT: Jud Süss – Film ohne Gewissen Cast: Tobias Moretti, Martina Gedeck, Moritz Bleibtreu, Justus von Dohnányi, Armin Rohde, Regie: Oskar Roehler Kinostart: 29.09.2010
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Schließlich war das Drehbuch von Veit Harlan und Eberhard Wolfgang Möller von einer realen Geschichte inspiriert, der Jude Joseph Süß Oppenheimer, Jud Süß genannt, fungierte im 18. Jahrhundert als Finanzberater des württembergischen Herzogs Karl Alexander. Mit innovativen Maßnahmen erschloss er dem in Geldnöten befindlichen Landesherren neue Einnahmequellen und entmachtete dabei die konservative Bürokratie. So avancierte er zu einem der einflussreichsten Männer des Landes – ausgestattet mit Privilegien, von denen die meisten der weitgehend rechtlosen Juden in Deutschland nicht einmal träumen konnten. Doch nach dem Tod seines Auftraggebers und Gönners wurde er von mächtigen Feinden unter anderem wegen Hochverrats angeklagt und am 4. Februar 1738 in Stuttgart hingerichtet.
Doch selbst die fromme Absicht Marians macht sich der Film geschickt zunutze – sie steigert am Ende sogar noch dessen Wirkung auf die Massen. Marians Verstrickung in die Folgen dieser genau geplanten filmischen Propagandawaffe ist nicht mehr aufzuhalten.
Schon während der Dreharbeiten spitzt sich die Situation in seinem privaten Umfeld zu. Durch seine zunehmende Veränderung abgestoßen, entfremdet sich seine Frau von ihm. Im Gartenhaus der Familie hat zudem ein früherer Kollege von Marian, der jüdische Schauspieler Adolf Wilhelm Deutscher Unterschlupf gefunden. Das Dienstmädchen Britta verrät dies ihrem Freund, dem SA-Mann Lutz, der Deutscher verhaftet und deportieren lässt.
Marians persönliche Tragödie nimmt ihren Lauf. Der nationale und internationale Erfolg von Jud Süss, der bei der Festivalpremiere in Venedig auch einen italienischen Filmkritiker namens Michelangelo Antonioni begeistert, ist da nur ein kurzes, rauschhaftes Intermezzo. Marians Frau Anna beschwört Ihren Mann, die Gelegenheit zu nutzen und mit ihr über Casablanca nach Amerika auszureisen. Aber Marian will zurück nach Deutschland zur Deutschlandpremiere des Films.
Erst mit der Zeit durchschaut der neue NS-Superstar die gesellschaftliche Wirkung seines Films und den verbrecherischen Charakter des Regimes, das seinen Freund Deutscher ins KZ steckt. Seine Alkoholexzesse und Seitensprünge sind verzweifelte Ablenkungsversuche – durch die er das Missfallen Goebbels’ erregt. Um ihn unter Kontrolle zu bringen, lässt der Minister Anna deportieren. Doch das beschleunigt Marians Niedergang nur noch, auch seine tschechische Geliebte Vlasta ist für ihn kein Halt. Vom größten Erfolgsfilm seines Lebens will er nichts mehr wissen.
Nach Kriegsende erlebt Marian, wie sich die anderen am Film beteiligten Künstler reinwaschen, allen voran Regisseur Veit Harlan. Bei einem Sommerfest in München begegnet er dem KZ-Überlebenden Deutscher wieder, der ihm von Annas Tod berichtet. Als er auch noch mit ansehen muss, wie Vlasta mit einem US-Soldaten intim wird, bricht er zusammen. Er setzt sich ins Auto für eine Fahrt ohne Wiederkehr.
Handwerklich solide gemacht und an sich mit guten Schauspielern besetzt, sprang der Funke nicht über. Moritz Bleibtreu spielt zwar gekonnt, passt aber trotz Gestik und sprachlicher Annäherung nicht wirklich als Besetzung von Göbbels. Ich sah häufig nicht den Propaganda-Minister, sondern den Schauspieler, was irgendwie immer ein KO-Kriterium für eine Performance ist. Der innere Zwist von Marian, der Druck und die Angst vor der Abholung seiner Frau war mir nicht präsent genug. Historisch kommt hinzu, dass Marians Frau nach meiner Information Katholikin und keine Jüdin war, war diese künstlerische Freiheit bei der filmikschen Umsetzung erforderlich? Auch die Wirkung des Propagandafilms erschließt sich nicht vollständig direkt, sondern muß erst über die Reaktionen der Zuschauer erklärt werden. Tobias Moretti läßt seinen Marian für meinen Geschmack mitunter etwas zu naiv erscheinen - Göbbels ein Rendezvous wegzuschnappen zeugt von einer gewissen Blauäugigkeit. Diese Naivität verhindert es, mit Mariam mitzufühlen. Insgesamt lässt einen der Film, trotz des brisanten Themas kalt.
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u best...