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Inglourious Basterds
Darsteller: Brad Pitt, Mélanie Laurent, Eli Roth,
Christoph Waltz, Michael Fassbender, Diane Kruger, Daniel Brühl, Til Schweiger,
Gedeon Burkhard, Jacky Ido
Filmkritik: Da ich
völlig überraschend wieder eine Einladung zu einer Pressevorführung bekommen
habe(wie damals bei „Drag me to Hell“) hatte ich heute die Chance „Inglourious
Basterds“ zu sehen, den neuen Film von meinem Lieblingsregisseur Quentin Tarantino.
Er versuchte sich mit dem Film am Genre des Exploitation-Kriegsfilms der 70er,
ganz nach seinem Vorbild „Inglorious Bastards“ von Enzo G. Castellari. Da
Quentin für seine besonderen Drehbücher und seine besondere Art einen Film zu
machen ja bekannt ist, war ein Kriegsfilm aus seiner Feder einmal eine ganz
neue Erfahrung und ich war mörderisch gespannt drauf.
Im
ersten Jahr der deutschen Besatzung Frankreichs. Shosanna Dreyfuss(Melanie
Laurent) muss mit ansehen wie Nazi Oberst Hans Landa(Christoph Waltz) ihre
gesamte Familie ermordet. Shoshanna gelingt es nur knapp zu entkommen. Sie
flieht nach Paris und legt sich dort eine neue Identität als Besitzerin eines
Kinos zu. Anderswo in Europa stellt Leutnant Aldo Raine(Brad Pitt) eine Gruppe
bestehend aus jüdisch-amerikanischen Soldaten(u.a. Eli Roth, Gedeon Burkhard,
Till Schweiger, Michael Fassbender) zusammen, die flinke schockierende
Vergeltungsschläge begehen soll. Schnell macht ein Name für die Truppe die
Runde: The Basterds. Jeder aus der Gruppe schuldet Raine 100 Nazi-Skalpe.
Der
Film folgt nur einem dünnen konstanten Faden und hangelt sich ansonsten an
einigen, mehr oder weniger abgeschlossenen Kapiteln entlang. Dies kann man
einerseits kritisieren, andererseits ist es aber auch ein interessantes Stilmittel
welches Quentin schon in „Kill Bill“ verwendete.
Dies
ist das erste Kapitel des Films, „Once Upon a Time in Nazi Occupied France“.
Die Einführung von Landa bzw. Christoph Waltz, der von allen Schauspielern die
meiste Screentime hat, ist grandios über die Bühne gegangen und der Charakter
wurde direkt perfekt präsentiert. Das Lob in Cannes für Waltz ist vollkommen
berechtigt.
Die
ersten beiden Kapitel sind richtig stark, in Kapitel 3 und 4 sind klitzekleine
Schwächen zu verzeichnen die aber im Detail liegen und kaum von Bedeutung sind.
Es handelt sich lediglich um kurze Szenen, die man für einen besseren Fluss
evtl. besser am Schneidetisch liegen gelassen hätte für den Director’s Cut. Das finale
Kapitel, „Revenge of the Giant Face“ haut dann zum Schluss aber so richtig
rein.
Aber
der Film lebt weniger von der Verfolgung dieses ehrgeizigen Plans, als vielmehr
von den Stories die nebenbei passieren. Mein echtes Highlight war eine gut 25 minütige
Bar-Szene im Mittelteil des Films. 3 deutschsprachige Basterds treffen sich, in
Nazikluft, mit Bridget von Hammersmark in einer Kellerbar in Paris.
Unglücklicherweise feiern in der Bar auch gerade einige Nazis die Geburt des
Sohnes eines Kameraden. Diese Szene läuft im Grunde vom Spannungsaufbau ähnlich
ab wie die in Kapitel 1 und mündet am Ende wieder in einem Gemetzel. Die Stärke
dieser und weiterer in sich beinahe geschlossener Passagen des Drehbuchs ist der
Grund wieso der Film in dem Kapitel Konzept trotzdem so gut funktioniert,
ähnlich wie schon „Kill Bill“ dessen roter Faden nur daraus bestand Bill zu
töten, alles was auf dem Weg dahin passierte waren quasi mehr oder weniger auch
abgeschlossene Kurz-Episoden.
Schauspielerisch
wird richtig was geboten. Dadurch, dass Quentin nur Deutschsprachige
Schauspieler als Deutsche besetzt hat und dies auch bei den Briten, Amerikanern
und Franzosen so beibehalten hat, bekommt man einen großen Cocktail
verschiedener Schauspieler präsentiert. Die Deutschen Schauspieler sind
natürlich in der Überzahl und man sieht wirklich bis in die kleinsten
Nebenrollen bekannte Gesichter, z.B. einen Christian Berkel als Barkeeper in der
Pariser Kellerbar oder Bela B. Felsenheimer als Platzanweiser im Kino. Aber
auch die größeren Rollen sind natürlich exzellent besetzt. Brad Pitt mit seinem
markanten Akzent spielt hier erneut einen Charakter an den man sich noch in
vielen Jahren erinnern wird. Selbst Till Schweiger, der ja auch gerne mal
negativ auffällt, wurde hier ideal besetzt. Er hat nur wenig Text, guckt aber
in den richtigen Szenen wunderbar grimmig drein. Die einzige Person die wieder
Mal aus dem Raster fällt ist Diane Kruger. Die Frau kann einfach nicht
ordentlich schauspielern und fiel mir auch hier wieder durch ihre aufgesetzte
Art negativ auf. Bei ihr hat man ständig das Gefühl sie würde einfach nur einen
auswendig gelernten Text aufsagen, statt sich in der Rolle zu befinden.
Soundtrack-Technisch
gibt es einige markante Stücke, besonders das in der Anfangsszene gefiel mir
sehr gut aber auch den Rest des Films setzt Tarantino die Musik immer gut ein
um gewisse Szenen wunderbar zu unterstreichen. An die Genialität seiner
restlichen Soundtracks kommt der, der Basterds für mich aber nicht heran.
Wie
der Film in der Synchro funktionieren soll ist mir bislang noch unbegreiflich.
Nicht nur das sprachliche Differenzen zwischen Englisch und Deutsch
stellenweise Handlungsrelevant sind, einige Passagen in Gesprächen von einem
dritten übersetzt werden, nein, auch verschiedene Akzente wie
Südstaaten-Dialekt oder britisch spielen eine größere Rolle. Für einen
Hollywood-Film ist die Sprachverteilung im Film sowieso erstaunlich. 1/3
Französisch mit Untertiteln, 1/3 Deutsch mit Untertiteln und 1/3 Englisch sind
nicht gerade das was man in Hollywood Unterhaltungsfilm nennen würde. Mir
gefiel diese Authentizität aber gerade sehr gut und als Deutscher Zuschauer
sind die Deutschen Szenen irgendwie erst recht sehr unterhaltsam. „Inglourious
Basterds“ wäre in jedem Fall ein Film den man in Deutschland im Original mit
Untertiteln veröffentlichen sollte. Da aber sogar „Borat“ und „Brüno“ übersetzt
wurden, kann man darauf wohl lange warten.
Essentiell
wichtig für „Inglourious Basterds“ ist, dass er sich meistens selber nicht all
zu ernst nimmt. Hitler verkommt in großen Teilen zur Witzfigur und auch einige
andere Nazigrößen werden eher verulkt als besonders fies dargestellt. Wenn
Hitler darüber redet, dass der als „Bärenjude“ bekannte Jude der Basterds
scheinbar kein Mensch sondern ein Golem sein soll oder man in einer Rückblende
zu sehen bekommt wie Göbbels seine französisch Übersetzerin von hinten beglückt
kringelt man sich vor Lachen im Kinosessel. Das ist einfach beste Satire. Aber
auch die Basterds bleiben davon nicht völlig verschont, müssen sich doch 3 von
Ihnen am Ende als Italiener ausgeben. Besonders Pitt gefällt hier, der seinen
Südstaaten-Akzent mit dem italienischen unter einen Hut bringen muss und sich
so einfach zum Schreien anhört.
„Inglourious
Basterds“ ist für mich der Kracher geworden den ich mir gewünscht hatte, wurde allerdings
doch in vielen Teilen völlig anders als ich gedacht hätte, aber ist im
Endeffekt genau so geworden wie man einen Kriegsfilm von Quentin Tarantino eigentlich
hätte erwarten müssen. Ob der Film der breiten Masse schmeckt, ich bezweifel es
stark. In Deutschland wird der Film nicht viele Fans finden wage ich zu
Prophezeien und auch in den USA wird es sich eher in Grenzen halten. Dafür hat
Quentin nach dem, von vielen Fans und Kritikern meiner Meinung nach völlig zu
Unrecht verunglimpftem „Death Proof“ hiermit wieder einen Film erschaffen der
beiden Seiten, Fans und Kritikern, sehr gut schmecken wird.
Filmbewertung: 9/10
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Kommentare (2)
![]() geschrieben von f2net, August 22, 2009
Für mich auch 9 von 10 Punkte. Einfach ein Wahnsinns-Film gewesen. Ich hatte eigentlich Angst davor, dass ich mich im Kino langweile, da Tarantino Filme ja nichts zwangsweise gut sein müssen, geschmackssache halt. Aber das Ding war überdurchschnittlich. Schade, dass es nicht häufiger Filme dieser Art gibt..
geschrieben von sushi25, August 26, 2009
Die Basterds haben mich positiv überrascht. Im Vorfeld gab es in der Branche einiges Geunke, warum Deutschland einen Film mit Film-Fördermitteln unterstützt, der German-bashing zum Inhalt hat. Auch die Trailer haben eine Blutorgie erwarten lassen. Und siehe da: im Film wird 80 Prozent gequasselt und höchstens zu 20 Prozent gemetztelt. Die brillante Darstellung des Hans Landa von Christoph Waltz hätte die deutsche finanzielle Beteiligung schon gerechtfertigt!
Bei der Länge des Films vielleicht überraschend, aber ich hätte gerne mehr über die Hintergründe der Charaktere erfahren. Die Basterds beispielsweise haben vermutlich nicht nennenswert mehr Screentime als die Hans Landa-Szenen. Mal sehen was die DVD-Editionen so bringen. Das "Tarantino-Problem" ist fehlende Dramaturgie: brillante Szenen und dann wieder Strecken die Längen haben, ohne den Film weiter zu bringen. Nachdem die Episoden des Films bedeutend mehr "Roten Faden" hatten, als Kill Bill, bin ich bei Euch mit der hohen Bewertung. 8/10 Punkten Kommentar schreiben
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u best...