1964, St. Nicholas in der Bronx. Ein lebensbejahender,
charismatischer Priester, Pater Flynn (Philip Seymour Hoffman), versucht, die
strengen Sitten der Schule auf den Kopf zu stellen, die lange Zeit von
Schwester Aloysius Beauvier (Meryl Streep) grimmig gehütet wurden – der mit
eiserner Faust herrschenden Direktorin, die an die Macht von Furcht und
Disziplin glaubt. Doch der Wind des politischen Wandels weht durch die Gemeinde
und so nimmt die Schule sogar ihren ersten schwarzen Schüler, Donald Miller,
auf. Aber dann berichtet die hoffnungsvoll-naive Schwester James (Amy Adams)
ihrer Direktorin, dass Pater Flynn dem kleinen Donald zu viel private Aufmerksamkeit
widmet. Schwester Aloysius ist sich sogleich sicher, dass die Beziehung nur
unsittlicher Natur sein kann und startet sofort einen Kreuzzug, um die Wahrheit
herauszufinden und Flynn von der Schule zu vertreiben. Ohne jeglichen Beweis
und nur mit ihrer moralischen Sicherheit gewappnet, verbohrt sie sich in ihre nunmehr
gefestigte Schuldzuweisung. Die Folgen ihrer Anschuldigung auf Donald sind ihr
dabei scheinbar egal.
Glaubensfrage
ist eine Filmadaption eines Theaterstücks. Shanleys Stück feierte seine
Weltpremiere auf einer Off-Broadway-Bühne im Herbst 2004 und wurde dann von
einer Lawine begeisterter Besprechungen auf den Broadway getragen. 2005 hatte das
Stück Premiere am Walter Kerr Theater, wo es in 25 Previews und 525
Vorstellungen lief. Darauf folgten eine ausgedehnte landesweite Tournee und
zahlreiche internationale Produktionen.
Die
Schauspieler sind wunderbar. Meryl Streep ist einfach großartig und zeigt nach
MammaMia hier wiederum ihre Wandlungsfähigkeit. Wenn ich so eine Schuldirektorin
gehabt hätte, würde ich vermutlich heute noch jede Nacht angstschweißgebadet
aufwachen. Philip Seymour Hoffman ist großartig. Amy Adams ist bezaubernd in
ihrer gespielten Naivität. Auch Viola Davis ist wunderbar in ihrer Rolle als Mutter
von Donald. Sie kämpft gegen riesige Hindernisse an: die Tatsache, dass Donalds
Vater ihn hasst, dass ihn keine andere Schule aufnehmen will und dass er
gemobbt und verprügelt wird. Sie will nur, dass ihr Sohn seinen Weg gehen kann.
Deshalb betrachtet sie Schwester Aloysius und deren Verdacht als große
Bedrohung. Alles, was sie von ihr hört, ist: ‘Ich werde Ihren Sohn zerstören.’
Ich muss
sagen, ich hatte von dem Film nach dem Trailer etwas mehr erwartet. Stanley hat hier dennoch ein solides Drama abgeliefert.
Spoiler ahead
Der Film
liefert keine klare Aussage, ob es zu einem Übergriff durch den Pater
gekommen ist. Gut - dies ist bei dem Originaltitel Doubt (Zweifel) noch verständlich. Auch hat die Anschuldung des Kindesmissbrauchs für die Charaktere
nicht die (negativen) Effekte die man erwarten würde. Der Pfarrer wird letztlich versetzt, befördert und gut is, Das weitere Schiksal von Donald bleibt unbeleuchtet.Spoiler Ende
Die Schauspieler
allein werden die Zuschauer nicht in den Film treiben. Er lohnt sich jedoch wegen
diesen in jedem Fall und wird spätestens auf DVD sein Publikum finden.