Filmkritik:Krabat PDF Drucken E-Mail
 
Regie: MARCO KREUZPAINTNER

Cast: DAVID KROSS, DANIEL BRÜHL, CHRISTIAN REDL, ROBERT STADLOBER, PAULA KALENBERG, HANNO KOFFLER und als Erzähler OTTO SANDER

Kinostart 09.10.2008

Krabat, Trailer, Filmkritik, Filmbewertung Krabat ist ein 1971 erschienenes Jugendbuch von Otfried Preußler. Es erzählt die die zur Zeit des 30 Jährigen Krieges angesetzte Geschichte des gleichnamigen wendischen Jungen, der Lehrling eines Zaubermeisters wird und sich gegen diesen behaupten muss. Am Ende siegt die Liebe über die dunklen Mächte. Die Geschichte basiert auf einer sorbischen Volkssage. Bereits 1971 entstand eine Trickverfilmung von dem tschechischem Trickfilmer Karel Zeman. Die aktuelle Verfilmung ist die erste Realadaption des Buches.

Wie der Roman spielt der Film in der Lausitz während des 30 Jährigen Kriegs. Er handelt von dem 14-jährigen Waisenjungen Krabat, dessen Mutter an der Pest gestorben ist. Er folgt dem Ruf des Müllers und wird Lehrling in einer Mühle im Koselbruch bei Schwarzkollm. Krabat findet schnell heraus, dass sich hinter der Mühle eine „Schwarze Schule“ verbirgt. Neben der Müllerei unterrichtet der der Müllermeister Krabat und elf weitere Mühlknappen in der Schwarzen Kunst.


Krabat gefällt die Lehrzeit in der Mühle und der Schwarzen Schule. Die Macht, die man mittels Magie über andere Menschen ausüben kann, fasziniert ihn. Er freundet sich auch mit den Gesellen an. Eine besondere Freundschaft entsteht zu Tonda, dem Altgesellen, der ihm zum Vorbild wird. Doch nicht einmal ein Jahr währt diese Freundschaft, denn Tonda stirbt am Ende des ersten der drei Jahre, die Krabat in der Mühle verbringt – angeblich durch einen Unfall und ein neuer Lehrjunge nimmt zu Jahresbeginn seinen Platz ein. Krabat erhält keine Antwort auf die Frage, warum bereits ein Graub ausgehoben war. Er durchschaut erst nach und nach dieses furchtbare Spiel, zu dessen Teil er geworden ist: Der Meister, der sich dem Bösen verschrieben hat, muss am Ende eines jeden Jahres einen seiner Schüler dem Teufel, dem sogenannten "Herrn Gevatter", zum Opfer bringen. Andernfalls würde er selbst sterben müssen.

Einer der übrigen Gesellen weis Rat, Wenn das Mädchen, in das sich Krabat verliebt hat, ihn am letzten Tag des Jahres freibittet, sind er und die übrigen Gesellen frei...

Krabat ist weder in der 1977-er Version noch in der aktuellen Fassung ein Kinderfilm. Dazu ist die Situation des Krabat und die Grundstimmung zu düster. Die Gesellen sind beeindruckend schräge Typen. Wie war nun der Film insgesamt? Der Trailer sah sehr viel versprechend aus und ich freute mich wirklich auf die Pressevorführung und muss nun leider sagen, dass der Film meine Erwartungen nicht erfüllt hat.

In heutigen Zeit darf man erwarten, dass bei Verwendung von Computeranimation und Tricktechnik dem Zuschauer nicht auffällt, dass getrickst wird. Genau das macht ja den Zauber des fertigen Produkts aus. Unverständlicher Weise stimmen bei den Flügen der Raben über das Land die Farben nicht. Die Raben sehen aus, wie künstlich ins Bild gesetzt und der Zauber ist dahin. Hier hätte mehr Wert auf die Postproduktion gelegt werden müssen. Dass es sich um eine deutsche Produktion handelt, will ich hier als Entschuldigung nicht gelten lassen. Die optischen Probleme müssen insbesondere bei dem deutschen Perfektionismus aufgefallen sein.

Die Musik ist vielfach zu fröhlich und wirkt mitunter der düsteren Stimmung des Films entgegen.

Am unerfreulichsten ist, dass die Story teilweise Brüche aufweist und man insbesondere dem schwach umgesetzten Schuss ohne Kenntnis des Buchs, oder des Zeichentrickfilms anscheinend nicht folgen kann. Mein Sitznachbar konnte erst, nachdem ich Ihm erklärte wie der Schluss im 1977-er Film war verstehen, was passiert war. Entweder der Regisseur musste zuviel kürzen oder er wollte sich von der ersten Verfilmung absetzen, jedenfalls sind wesentliche Elemente nur sehr rudimentär enthalten (etwa der Meister und seine Verwandlungen und das Motiv der Wiederholungen, des wiederkehrenden Zykluses) oder fehlen ganz.

Schade, Krabat hätte ein „Harry Potter im ausgehenden Mittelalter“ sein können und ist auf der Zielgeraden steckengeblieben.


Kommentare (1)Add Comment
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Am Thema vorbei
geschrieben von Martin, Oktober 26, 2008
"Durch den Einsatz von schwarzer Magie Macht über die Menschen zu haben": Das ist im Buch "Krabat" der Grund, warum Meister und Schüler sich in den tödlichen Kreislauf der Mühle begeben, in dem als Preis für diese Macht Jahr für Jahr ein Mensch dem "Herrn Gevatter" (dem Teufel) geopfert wird.

Die im Buch einen großen Raum einnehmende Darstellung dieser Machtausübung an anderen Menschen durch Meister und Schüler wird in dem Film völlig weggelassen, was ihm einen der Grundpfeiler der von Otfried Preußler erzählten Geschichte nimmt. Um ein wenig Stöcke schweben zu lassen oder als Rabe umherzufliegen, wie es der Film darstellt, wird wohl keiner den hohen Preis der Todesgefahr zahlen.

Von den Kulissen und der Stimmung her kommt der Film schon eher an das Buch heran. Empfehlung: Wem der Stoff des Films gefallen hat, wer ein wenig romantisch ist, an die Liebe und das Gute im Menschen glaubt, sollte in jedem Fall auch das Buch lesen.

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