Filmkritik: Unstoppable - ausser Kontrolle PDF Drucken E-Mail
 

Unstoppable_Teaser


OT: Unstoppable
cast: Denzel Washington, Chris Pine, Rosario Dawson
Regie: Tony Scott
Kinostart: 11.11.2010
Unstoppable_Plakat

Der 12. Oktober ist für Will Colson (Chris Pine), der von Frau und Sohn getrennt in Stanton, eine Großstadt in Pennsylvania lebt, kein Tag wie jeder andere. Nach ier Monaten Ausbildung, beginnt für den jungen, von privaten Problemen gequälten Eisenbahner die Praxis und - völlig unerwartet - der erste Tag im Beruf. Colsonwir dem erfahrenen Zugführer Frank Barnes (Denzel Washington) zugeteilt. Ihm schlägt die Verachtung von Barnes’ Kollegen offen entgegen. Für die Veteranen der Schiene ist klar, dass Colson diesen Job seinen einflussreichen Onkeln verdankt, die Führungsposten in der Eisenbahngesellschaft bekleiden. Und überhaupt steht dieser Aufsteiger für alle jungen Arbeiter, die die älteren aus ihren Jobs drängen.

Über 300 Kilometer entfernt, am Fuller Yard, einem anderen Rangierbahnhof in Pennsylvaniamacht sich ein beleibter, missmutiger Rangierarbeiter, der wegen eines dringenden Auftrags sein Frühstück unterbrechen musste, an seine Aufgabe. Weil ein mit Kindern besetzter Zug für einen Schulausflug zum Fuller Yard unterwegs ist, muss ein Gleis geräumt und dafür der 777, ein Zug mit 39 Frachtwaggons, auf ein anderes rangiert werden.

Lustlos ignoriert der Arbeiter, dass die Schläuche für die fernsteuerbaren Druckluftbremsen nicht verbunden sind, überzeugt davon, das später nachholen zu können. Als die Lok ganz langsam Fahrt aufnimmt, eine wichtige Weiche aber noch nicht gestellt wurde, gesellt sich zu Nachlässigkeit zusätzliche Faulheit und Dummheit. Anstatt anzuhalten, steigt der Bahnarbeiter aus dem Schritttempo fahrenden Zug aus, um wenige Meter entfernt die Weiche zu stellen. Er ahnt nicht, dass sich im Führerhaus der Gashebel bewegt und der 777 sofort an Geschwindigkeit zulegt. Als er es bemerkt, ist es bereits zu spät und er kann nicht mehr aufsteigen. Unbemannt, führerlos und Tempo aufnehmend zieht der Zug vorbei. Unstoppable_3

Als Connie Hooper (Rosario Dawson), Rangiermeisterin im Fuller Yard, von dem Vorfall des fahrerlos dahinrollenden Zuges hört, informiert sie den Zugführer des Schulausflugs, bei der nächsten Weiche die Gleise zu wechseln, da er sich auf Kollisionskurs mit dem 777 befindet. Trotz dieser Vorsichtsmaßnahme glaubt Hooper fest daran, den führerlosen Zug noch vor jeder gefährlichen Situation stoppen zu können. Schweißer Ned Oldham (Lew Temple) soll in ihrem Auftrag eine Weiche manuell stellen und den 777 rechtzeitig auf ein anderes Gleis führen. Doch auch Oldham kommt zu spät. Viel schneller als erwartet, passiert der 777 die Stelle und rast weiter auf den anderen Zug zu. Als schon Sichtkontakt besteht, kann der Zugführer mit den Waggons voller Kinder im letzten Moment auf ein anderes Gleis ausweichen, während der 777 vorbeidonnert.  Conni erkennt, dass der Zug kein "Coaster" im Leerlauf ist, sondern unter Volldampf mit eingelegtem Gang fahrt. Was sich dieser Lok in den Weg stellt, wird sie pulverisieren.

Währenddessen haben Frank Barnes und Will Colson so ihre kleinen menschlichen Probleme. Während Colson glaubt, alles besser zu wissen, lässt Barnes ihn deutlich spüren, dass er mit seinen 28 Dienstjahren den jungen Kollegen für einen Anfänger hält, der noch vieles lernen muss. All das wird aber bedeutungslos, als Barnes Connie Hooper kontaktiert. Von ihr erfahren die beiden Männer, dass acht Waggons des 777 mit hochgiftigen Chemikalien beladen sind und Tausende sterben werden, wenn der Zug mit Kurs auf ein dicht besiedeltes Gebiet nicht gestoppt werden kann.

Unstoppable_1 Nachdem Hoopers Vorgesetzter ihren Vorschlag, den 777 sofort entgleisen zu lassen, aus Kostengründen ablehnt, soll der Zug mit anderen Mitteln aufgehalten werden. Doch der Versuch, einen Mann per Helikopter ins Führerhaus abzuseilen, schlägt fehl – und die riskante Aktion, sich mit einer Lok vor den 777 zu setzen, um ihn abzubremsen, endet mit Chaos, Zerstörung und dem Tod des Fahrers. Entsetzt fasst Barnes, der mit seinem Zug auf gleicher Strecke wie der 777 unterwegs ist, einen einsamen und mutigen Entschluss. Er ist sicher, dass der Zug vor Stanton nicht mehr zum Entgleisen gebracht werden kann, und deshalb entschlossen, mit seiner Lok dem Geisterzug hinterherzufahren, anzukuppeln und so seine Geschwindigkeit zu drosseln.

Anfangs verweigert sich Colson der gefährlichen Mission, die die sichere Katastrophe vielleicht doch noch verhindern könnte, doch dann ändert er seine Meinung, denn der Zug fährt Richtung Stanton und eine dortige enge Kurve wird den ungebremsten Zug mit Sicherheit entgleisen lassen....

Unstoppable fängt bedächtig an und nimmt mit Zug 777 langsam Fahrt auf. Die Aufnahmen wenn 777 anfangs ohne Fahrer durch den Dunst bzw die flirrende Luft fährt sind schon fast dämonsich. Der Zuschauer denkt kurz an John Carpenters "Christine" und fragt sich ob 777 nicht eine Anlehnung an 666 ist... Leider schafft Scott es nicht diese Stimmung zu halten. Er springt in der Perspektive zwischen den beiden Lockführern, den Menschen die von ausserhalb versuchen den Zug zu stoppen und der amerikanischen "Joe, ich fliege mit unserem Pressehelicopter neben dem Zug her .... Hallo Jane das ist großartig, hoffentlich ist schon jemand zu Schaden gekommen?" CNN-Berichterstattung hin-und-her.

Unstoppable_2 Was als zusätzliches Spannungsmittel gedacht ist, führt tatsächlich dazu die Spannung runterzudrücken, da mitunter die Schnitte unglücklich gewählt sind. So ist es beispielsweise extremunspannend zuerst zu sehen, wie Will zwischen 2 Wagon fällt, aber auf den Pollern zu liegen kommt und dann von aussen der Pressehubschrauber berichtet, dass Will nicht mehr zu sehen ist, verbunden mit der Frage, ob er vom Zug gefallen ist (während der Zuschauer schon weiss, dass das nicht der Fall ist). Wirklicher Spannungsaufbau funktioniert anders.

Die Idee ist des Films hat was, aber durch die Mängel in der Kameraführung bzw. im Schnitt verbraucht sie sich schneller als nötig. Kombiniert mit teilweise fehlerhafter Logik bleibt er Film hinter seinen Möglichkeiten zurück. So werden Gewehrschüsse auf den Zug  abgefeuert, um ihn zu stoppen. Aber einfach ein Stück des Gleises zu entfernen oder unbrauchbarzu machen (schotterne Demonstranten schaffen das nach neuesten Erkenntnissen ja sehr schnell) - Fehlanzeige!

Alles in allem ist Unstoppable damit nicht mehr und nicht weniger als der Zuschauer schon im Trailer gesehen hat, wenn man nicht groß drüber nachdenkt, kann man die Spannung bis in die große Schlußkurve in Stanton retten. Eisenbahnfreunde haben sicher zusätzlich ihren Spaß.

5,5/10 Punkten

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