Filmkritik: Selbst ist die Braut PDF Drucken E-Mail
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
OT: The Proposal                                                                                                              Screening OV
Cast: Sandra Bullock, Ryan Reynolds, Malin Akerman, Craig T. Nelson, Mary Steemburgen, Betty White
Regie: Anne Fletcher
Kinostart: 30. Juni 2009
 

proposal_plakat.jpeg Alles steht stramm, wenn mit einem „Blubben“ der Messenger auf den Bildschirm  „it is here“ verkündet: Verlagslektorin Margaret Tate (Sandra Bullock) hat den Verlag betreten. Die Mitarbeiter lassen alles stehen und liegen und gehen an ihren Computern in Deckung, nur nicht auffallen. Der Einzige, der der Hexe gegenübertreten muss, ist ihr Assistent Andrew Paxton (Ryan Reynolds), für den die Leibeigenschaft immer zu noch gelten scheint.

 

Margaret wird in die Chefetage zitiert, es geht nicht um die Verkaufszahlen ihres neuen Starautors oder eine weitere Gehaltserhöhung. Es droht der Verlust nicht nur ihres hochdotierten Jobs, sondern auch ihres Zuhauses: Die Kanadierin Margaret hat schlicht versäumt, ihr Visum rechtzeitig verlängern zu lassen, und soll aus den USA ausgewiesen werden. Als Andrew wie vereinbart erscheint, um sie unter einem Vorwand aus dem lästigen Meeting zu erlösen, hat Margaret die rettende Eingebung: Strahlend eröffnet sie dem Vorstand, dass sie und Andrew bald heiraten werden. Ihrem „Verlobten“ verschlägt es glatt die Sprache. Protest wäre ohnehin zwecklos: Wenn er seiner Chefin nicht zu Willen ist, wird auch Andrew seinen Job los. Notgedrungen dreht er den Spieß um und sagt Ja – mit der Auflage, dass Margaret endlich den großartigen Roman verlegt, den er ihr immer wieder vergeblich empfohlen hat. Und dann hat er noch ein, zwei weitere Bedingungen, bis der Deal besiegelt ist. Doch damit fangen die Probleme erst an.

 

Ein Blick auf das „glückliche Paar“ genügt, und der Beamte bei der New Yorker Einwanderungs­behörde weiß, dass er es mit einer Scheinehe zu tun hat. Prompt droht er an, Margaret und Andrew auf Herz und Fakten zu überprüfen. Um ihre Beziehung halbwegs glaubwürdig zu machen, muss Margaret schnellstens die Familie ihres Zukünftigen kennen lernen. Beim 90. Geburtstag seiner Großmutter will Andrew die Verlobung bekannt geben. Der Haken: Die Paxtons residieren in Sitka, Alaska. Für die Großstadtpflanze Margaret kommt das einem Ausflug zum Nordpol gleich. Obwohl sie betont cool bleibt und auf ihren High Heels kaum über den Bootssteg kommt, schließen Andrews Mutter Grace (Mary Steenburgen) und die rüstige Großmama Annie (Betty White aus „Golden Girls“) sie sofort ins Herz. Andrews Verhältnis zu seinem Vater Joe (Craig T. proposal_1.jpeg Nelson), dem zu Margarets Überraschung anscheinend der halbe Ort gehört, ist eher unterkühlt: Offenbar hatte Mr. Paxton große Pläne für seinen einzigen Sohn und kein Verständnis dafür, dass Andrew den Familienbetrieb im Stich gelassen hat. Doch das alles interessiert Margaret nicht. Sie ist viel zu sehr damit beschäftigt, den Wochenendtrip in die „Wildnis“ so ladylike wie möglich durchzustehen – und sich das flauschige Haushündchen vom Leib zu halten. Nach der Begrüßungsparty (und dem ersten distanzierten Kuss) wird das junge Glück selbstverständlich in einem gemeinsamen Schlafzimmer untergebracht – und tut alles, um sich bloß nicht näherzukommen. Andrew nächtigt, ganz Gentleman, auf dem Fußboden, während Margaret den Begriff „Schönheitsschlaf“ wörtlich nimmt. Das Spiel scheint zu funktionieren. Grace und Granny Annie Paxton sind nicht mehr zu halten: Da die Kinder schon mal da sind – warum nicht sofort heiraten? Noch dieses Wochenende, an Großmutters Ehrentag! Entnervt lässt Margaret den Junggesellinnen-Abschied über sich ergehen, schräg-provinzieller Männer-Striptease inklusive. Doch spätestens als sie Granny im Wald bei einem kuriosen „Fruchtbarkeits-Ritual“ ertappt, bröckelt Margarets unnahbare Fassade. Und als die alte Dame der Braut dann auch noch ihr eigenes Hochzeitskleid vermacht, verliert Margaret beinahe die Fassung: Angesichts von so viel Herzlichkeit und Zuneigung regen sich ihre eigenen lange verdrängten Gefühle – und ihr schlechtes Gewissen. Aber jetzt gibt es kein Zurück mehr – allein schon, um die Familie proposal_2.jpeg nicht zu verletzen. Auch Andrew findet seine erpresserische Chefin immer sympathischer. Doch am Abend vor der Trauung nimmt Joe Paxton seinen Sohn beiseite und bittet ihn um ein Gespräch unter vier Augen. Oder besser: sechs. Denn im Haus wartet, mit triumphierendem Grinsen, ein ungebetener Hochzeitsgast auf den Bräutigam: Es ist der Beamte von der Einwanderungsbehörde ...

 

Selbst ist die Braut ist Wohlfühlkino pur, Die beiden Hautdarsteller sind ein Glücksgriff, die Chemie stimmt. Sandra Bullock ist als dominante Chefin spitze und ebenso wie Ryan Reynolds ("Sexiest Man" 2008 "laut people) körperlich sensationell in Form. Der Film hat Charme und Humor. Wo der Trailer eher in Richtung Komödie tendiert, zieht es den Film insgesamt mehr in Richtung Romanze. Mehr Komödie hätte mir  persönlich gut gefallen.

 

Die Einwanderungsproblematik erinnert etwas an „Green Card“, wobei in Green Card das Procedere glaubwürdiger war. Hier ist der Beamte nicht wirklich überzeugend.

 

Die Auflösung des gordischen Knotens – das Zusammenkommen der Liebenden am Ende des Films hätte zwar etwas mehr Finesse vertragen können, das zieht den Film in der Bewertung um 1 Punkt runter. Aber insgesamt ist „Selbst ist die Braut“ einen Kuschelkinobesuch wert und im Nachklang eine sehenswerte, humorvolle Romanze.

 

7,5/10 Punkten
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