Es war einmal eine Zeit, da lag im Königreich Dor Magie in der Luft, da gab
es viel Gelächter und überall leckere Suppe. Doch ein Unglück ließ den König
mit gebrochenem Herzen zurück, die Prinzessin voller Sehnsucht – und die
Menschen im Land ohne ihre Suppe. Selbst die Sonne verschwand. Die Welt wurde
grau und trüb. Es gab im ganzen Land keine Hoffnung mehr. Bis zu dem Tag, als
Despereaux geboren wurde...
Der kleine Mäuserich Despereaux Tilling ist mutig – zu mutig für seine
bescheidene Heimat. Vom Moment seiner Geburt an hält er Augen und Ohren immer
offen, immer begierig nach neuen Geschichten. Er kann nicht anders: Er braucht
das Abenteuer und kann sich ein Leben, dem das fehlt, einfach nicht vorstellen.
Er versteckt sich nicht und huscht nicht, für die übrigen Mäuse ein Skandal.
In der Bibliothek im Königsschloss lernt er, Bücher zu lesen (statt sie
anzuknabbern) und ergötzt sich an den dort aufgeschriebenen Geschichten: Auch
er will ein Ritter werden, gegen Drachen kämpfen und holde Maiden befreien! Nicht
nur das: Despereaux freundet sich auch mit Prinzessin Pea an. Ihr größter
Wunsch ist es, dem Leben im Schloss zu entfliehen, das nach dem Tod ihrer
Mutter so furchtbar öde geworden ist: Ihr Vater und das ganze Königreich mit
ihm sind in eine unendliche Trauer verfallen, so stark, dass sogar der Himmel
über dem Land über und über von grauen Wolken bedeckt ist.
Eines Tages entdecken die anderen Mäuse, was Despereaux so treibt und
verbannen ihn aus der Mäusewelt – hat er doch, neben vielen anderen, auch gegen
das wichtigste Mäusegesetz verstoßen: Sprich nie mit einem Menschen! Sie
schicken ihn in die Rattenwelt, ein finsterer Ort, den nie das Tageslicht
erreicht... Dort jedoch rettet ihn ein anderer Ausgestoßener, die Ratte
Roscuro, die aus dem Land der Menschen vertrieben worden ist, aber immer noch
von Ritterlichkeit und Heldentaten träumt. Als Gourmet und Weltreisender ist
Roscuro ein Außenseiter unter den Ratten, die nichts als ihren unterirdischen
Kerker kennen.
Roscuro wollte einst mit der Prinzessin Freundschaft schließen, doch die
stieß ihn erschrocken zurück. Gedemütigt wurde Roscuro zu ihrem schlimmsten
Feind. Sein Herz ist gebrochen – und nicht wieder gerade zusammengewachsen...
So schmiedet er einen Racheplan; ihm hilft dabei das Dienstmädchen Miggery Sow,
das selbst von einem Leben als Prinzessin träumt, weil sie nie verstanden hat,
dass man keinen Hofstaat braucht, um etwas besonderes zu sein. Sie entführen
Pea, und Despereaux erkennt, dass nur er in der Lage ist, sie zu retten – und
dass selbst in der kleinsten Maus der Mut eines Ritters in glänzender Rüstung
stecken kann.
Die
Grundidee des Films, basierend auf der Buchvorlage von Kate DiCamillo, ist
nett, leider ist die Umsetzung missglückt. Die Story wirkt zusammengestöpselt
und läuft damit nur bedingt rund. Charaktere (Roscuro und Miggery) sind mal
gut, dann böse – dann wieder gut, ohne dass hier Zeit für wirkliche
Charakterentwicklung und Erklärung der Veränderung bleibt. Den Reaktionen im
Kino zu urteilen, war es für die Kinder in der Pressevorführung nicht gerade
leicht dem allen zu folgen.
Die
Charakteranimation der Tierfiguren ist detailliert und routiniert, die an
Figuren von Bruegel erinnernden Menschen sind eher einfach, glatt –
bilderbuchartig gehalten. Auch die Hintergründe erinnern stark an das Aussehen
von Buchillustrationen. Schade ist, dass die Charaktere zu oft wie künstlich in
den Hintergrund reingesetzt erscheinen.
Desperaux
hat Dumboohren - ok so auch in der Buchvorlage - aber muss er zu allem
Überfluss auch noch damit rumfliegen!!!! Das Ritual des Suppekochens lässt
vermuten, dass den Machern des Films Ratatoulle ziemlich gut gefallen haben
muss, sonst hätten diese nicht so viel übernommen;-) Auch die Ratte Roscuro
erinnert teilweise sehr an den Protagonisten aus dem Pixarfilm.
Die im
Screening anwesenden Kinder, ein Indikator wie der Film auf ein normales
Publikum wirken könnte, waren durchweg ruhig, keine Freudenausbrüche, keine
spontane Begeisterung. Der Funke sprang nicht über. Ob es an der deutschen
Synchro liegt, oder auch im Original so angelegt ist, dem Film fehlt klar der
Witz. Schade, der Trailer sah viel versprechend aus.
cast: Malin Akerman, Carla Gugino, Billy Crudup, Jeffrey Dean Morgan
Kinostart 05.03.2009
Watchmen spielt in einer
abgewandelten Version der USA in den 1980ern. Im fortdauernden kalten Krieg
sind die Russen die außenpolitischen Gegner. Die USA hat den Vietnamkrieg dank
Dr. Manhattens gewonnen. Nixon ist zum dritten Mal als US-Präsident gewählt
worden. „Superhelden“ sind nach dem Sensationserfolg des ersten Superman-Comics
Ende der 1930er Jahre aufgekommen. Sie sind kostümierte, maskierte
Verbrecherjäger, Menschen ohne große Fähigkeiten, die sich später als die
„Minutemen“ zusammentaten – und bis zu den 50er Jahren nach und nach freiwillig
oder unfreiwillig in den Ruhestand traten. Anfang der 60er entstand eine neue
Generation, mit neuen technischen Fähigkeiten und zum Teil auch mit
tatsächlichen Superkräften. Sie gerieten in den 70ern durch ihre Selbstjustiz
in die Diskussion und wurden durch den Keene-Act zuletzt vor die Alternative
gestellt, zurückzutreten oder für die Regierung zu arbeiten. Einige, wie Nite
Owl 2 und Silk Spectre 2, hörten damals schlicht auf, Dr. Manhattan arbeitet
seither in der Forschung oder wie der Comedian im Geheimdienst, Ozymandias
ließ die Maske öffentlich fallen und verdiente als Kopf des Veidt-Konzerns ein
Vermögen, Rorschach ging in den Untergrund und bekämpft – von der Polizei
gesucht, von den Medien totgeschwiegen – das Verbrechen weiter.
Der ehemalige Superheld The
Comedian wird von einem Unbekannten ermordet. Rorschach macht sich auf die
Suche nach dem Täter und wittert bald eine Verschwörung, als weitere
Superhelden bedroht werden. Die ehemaligen Kollegen von Rorschach reagieren auf
seine geäußerten Vermutungen mit Desinteresse.
Dr. Manhattan flieht nach einem
Skandal in den Weltraum, auf Ozymandias wird ein Attentat verübt, Rorschach
selbst in eine Falle gelockt. Nite Owl 2 meistert, aufgerüttelt durch die
Verhaftung Rorschachs, seine Angst wieder aktiv zu sein. Er reaktiviert
zusammen mit Silk Spectre 2 das Owl Ship, die beiden befreien Rorschach und
gemeinsam kommen sie der (tatsächlichen) Verschwörung auf die Spur.
Der Film basiert
auf Alan Moores 12 Comics, die 1986 zuerst bei DC Comics erschienenen sind. Die
Comics haben es als einzige Vertreter des Genres in die Time-Liste der 100
besten literarischen Werke des 20. Jahrhundert geschafft. Jack Snyder („300“)
wagt auch hier die Verfilmung eines schwierigen Stoffs, der Inhalt von 12
Comics will erst mal sinnvoll in einen Film gepackt sein. In der Umsetzung
dieser Masse liegt das Hauptproblem des Films. Es muss nicht 1 Superheld
eingeführt werden, sondern gleich eine ganze Horde gänzlich unbekannter Figuren
müssen vorgestellt werden (Superman kennt man auch ohne einen Film gesehen zu
haben, anders die Helden hier). Snyder füttert die Zuschauer über 162 – das
sind 2 Stunden Vierzig Minuten- mit Informationen. Man muss ihm zugute halten,
dass es hierbei nicht langweilig, leider aber auch nicht wirklich spannend
wird. Moore brauchte aufgrund komplexen und verschlungenen
Erzählstruktur, diversen Handlungssträngen und Zeitebenen eben die besagten 12
Bände, um den Mythos des Superhelden zu Fall zu bringen. Das filmisch
umzusetzten ist kein Selbstläufer.
Die Helden
sind keine „Ritter in glänzender Rüstung“ sondern pathologische Psychopathen,
sadistische Söldner, haben mit Impotenz zu kämpfen. Wie schon in „Dark Knight“
gibt es nicht nur Schwarz oder Weiß, sondern viel Grau (Dunkelgrau) dazwischen.
Dr. Manhatten (angelehnt an das Atomprogramm „Manhatten-Project“)
als wirklicher „Super“-Held mit fast absoluten, übernatürlichen Kräften nimmt
als „gottähnliches Wesen die Probleme der Welt vermehrt mehr wahr. Eine
abgefahrene Erklärung, warum sich Gott nicht in unsere „banalen“ Probleme
einmischt.
Mag die
filmische Umsetzung auch versuchen, möglichst Werkgetreu die Vorlage von Alan
Moore zu bedienen, so ist das Ergebnis trotz interessanter, düsterer Optik
schwere Kost, die kaum die Zuschauerzahlen eines „Dark Knight“ oder „Ironman“
erreichen werden. Eine Identifikation mit den Protagonisten der Story aufgrund
deren mehrheitlich vorhandener dunkler Seite wird dem Zuschauer kaum
ermöglicht. Fans des klassischen Superheldengenres wird das Popcorn
stellenweise im Hals stecken bleiben und wie es ein Journalist der mit mir im
Screening saß treffen formulierte, diese werden danach erst mal wieder Asterix
lesen müssen, um sich wieder neu zu konfigurieren und neu einzunorden.
Watchmen ist ein Film der
nachdenklich macht. Noch nie habe ich ein Screening verlassen und die
Anwesenden so intensiv (und ratlos) über einen Film diskutieren hören.
Hier die Ergebnisse der 81. Oscar-Verleihung. Dass Slumdog dermassen abgesahnt hat, ist toll, denn das wird dem Film die Aufmerksamkeit und die Zuschauer bringen die er verdient. Unbedingt ansehen- ein toller Film!
Bester
Film:
Slumdog
Millionär
Beste
weibliche Hauptdarstellerin:
Kate
Winslet
Bester
männlicher Hauptdarsteller:
Sean Penn
Beste
Regie:
Danny Boyle
("Slumdog Millionär")
Beste
weibliche Nebendarstellerin:
Penélope
Cruz
Bester
männlicher Nebendarsteller:
Heath Ledger
Bestes
Original-Drehbuch:
"Milk",
Dustin Lance Black
Bestes
adaptiertes Drehbuch:
"Slumdog
Millionaire"
Bester
animierter Film:
"Wall.E"
Beste
Ausstattung:
"Der
seltsame Fall des Benjamin Button"
Bestes
Kostümdesign:
"Die
Herzogin"
Bestes
Make-up:
"Der
seltsame Fall des Benjamin Button"
Beste
Kamera:
"Slumdog
Millionaire", Anthony Dod Mantle
Bester
Dokumentation:
"Man on Wire"
Bester
fremdsprachiger Film:
"Departures"
Humanitäres
Engagement:
Jerry Lewis
Visuelle
Effekte:
"Der
seltsame Fall des Benjamin Button"
Bearbeitung
Sound:
"The
Dark Knight"
Mix
Sound:
"Slumdog
Millionär"
Beste Musik:
"Slumdog
Millionär"
Bester
Filmsong:
"Slumdog
Millionär"
Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 28. April 2009 )
Cast: Dakota Fanning, Hilarie Burton, Queen Latifah, Paul Bettany,
Jennifer Hudson, Alicia Keys, Sophie Okonedo, Tristan Wilds
Kinostart: 23. April 2009
Amerikanische Südstaaten, die sich in einem Schrank versteckende vierjährige Lily (Dakota Fanning) erlebt einen Streit ihrer Eltern mit. Ihr Vater schägt seine Frau, diese läßt eine Pistole fallen. Lily greift sich diese Waffe, versehentlich erschießt sieihre Mutter.
Ihr Vater ist nie darüber hinweggekommen, dass seine Frau ihn verlassen wollte. Er tyranisiert seine Tochter. Zehn
Jahre später verlässt sie den gewalttätigen Vater. Zusammen mit ihrem von weißen Rassisten verprügelten Kindermädchen Rosaleen (Jennifer Hudson) läßt sie den Hass ihres Vaters und und ihres Heimatortes hinter sich.
Sie findet Unterschlupf auf der Farm
von Imkerin August. Obwohl im Amerika des Jahres 1964 Rassisten die
Emanzipation der Schwarzen mit Gewalt zu verhindern versuchen, leben
die Bienenkönigin und ihre zwei jüngeren Schwestern in einer Oase der
Liebe, in der auch die Wunden von Lily und Rosaleen heilen. Lily
lernt alles über die Bienenzucht. Lily findet mit der Zeit
den Mut, August nach ihrer Mutter zu fragen. Sie erfährt, dass August
seinerzeit das Kindermädchen ihrer Mutter war. Lily lernt alles
über die Bienenzucht. Sie erfährt, wer ihre Mutter, die sie so schmerzlich
vermisst, wirklich war, und sie verliebt sich. Doch eines Tages steht ihr Vater
am Gartentor ...
Die Verfilmung von Sue Monk Kidds Roman "Die Bienenhüterin" erzählt in schönen Bildern eine Geschichte des Südens, bei der es um die Heilung von Wunden geht.
Paul Bettamy spielt den gewalttätigen Vater erschütternd realistisch, die drei Schwestern sind ein Schlag für sich und Jennifer Houston
OT: The Boy
in the Striped PyjamasScreening:
OV Englisch
Regie: Mark
Hermann
Cast: Asa
Butterfield, Jack Scanlon, Amber Beattie, David Thewlis
Kinostart:
07. Mai 2009
Anfang der der
40er Jahre wehen in Berlin Hakenkreuzfahnen. Der achtjährige Bruno kommt vom
Spiel mit seinen Schulfreunden nach Hause, wo gerade hektische Vorbereitungen
getroffen werden. Sein Vater, ein SS-Offizier, wurde gerade befördert, was
seine Mutter mit einer Party feiern möchte. Die neue Arbeitsstätte seines
Vaters liegt außerhalb von Berlin. Bruno muss Berlin und Freundeskreis
verlassen. Das Haus, in das die Familie einzieht, ist trostlos und abgeschieden.
Ein ummauerter Vorgarten mit bewaffneten Wachposten und Schäferhund vor der Tür
Bruno fällt
es schwer, sich an sein neues Leben zu gewöhnen und bald wird er von Langeweile
geplagt. Es gibt hier keine Kinder, mit denen er spielen könnte, und seine
Mutter verbietet ihm, hinter dem Haus auf Erkundungstour zu gehen, obwohl er
doch Entdecker werden will. Nicht einmal seine ältere Schwester Gretel will
sich mit ihm beschäftigen. Sie ist voll damit ausgelastet, ihre Puppen
aufzustellen oder mit einem der jungen Untergebenen ihres Vaters zu plaudern,
dem ebenso gut aussehenden wie bedrohlichen Leutnant Kotler.
Das
Einzige, was aus Bruno’s Sicht eine Erkundungsexpedition lohnen würde, ist der
seltsame Bauernhof, den er vom Fenster seines Kinderzimmers aus sieht und
dessen Bewohner offenbar alle gestreifte Schlafanzüge tragen. Als er mehr
darüber herausfinden möchte, sagt ihm seine Mutter, er solle sich nicht darum
kümmern. Bruno wird verboten hinter dem Haus (der Richtung des „Bauernhofs“) zu
spielen und sich dem Gelände keinesfalls nähern. Doch nicht einmal sie kennt
die tatsächliche Natur dieses Orts. Sie hält den Hof für ein Arbeitslager, denn
ihr Mann hat unter Eid geschworen, nie die Wahrheit darüber zu verraten: Dass
es sich hier um eine Tötungsfabrik für die “Endlösung”, die systematische
Vernichtung der jüdischen Bevölkerung, handelt.
Als Bruno
in Abwesenheit seiner Mutter von der Gartenschaukel fällt und sich sein Knie
aufschürft, ist es Pavel, ein schwerfällig gehender alter Küchengehilfe der
ebenfalls einen gestreiften Pyjama trägt, der sich um ihn kümmert und seine
Wunde versorgt. Der Mann erzählt Bruno, dass er einmal als Arzt praktiziert
hat.
Ein
Achtjähriger, wäre kein Achtjähriger, wenn nicht die Neugier siegen würde. Bruno
setzt sich über die Ermahnungen seiner Mutter hinweg und schleicht sich durch
den hinteren Teil des Gartens, um endlich ein Abenteuer zu erleben. Nach einer
Wanderung durch den Wald erreicht er einen Stacheldrahtzaun. Auf der anderen
Seite leert gerade ein kleiner Junge im gestreiften Pyjama Schutt mit einer
Schubkarre ab. – Endlich hat Bruno einen Spielgefährten in seinem Alter
gefunden! Fortan besucht er seinen neuen Freund Shmuel jeden Tag, wobei er
diese Treffen vor seinen Eltern und seiner Schwester geheim hält.
Im Lauf der
folgenden Wochen wird Bruno von dem, was er zuhause hört und sieht und was er
von seinem geheimen Zaunfreund erfährt, zunehmend beunruhigt. Obwohl sein
Lehrer behauptet, dass alle Juden böse seien, wird seine Bindung zu Shmuel
immer stärker. Er wird Zeuge, als der unberechenbare Leutnant Kotler den
Küchengehilfen Pavel brutal zusammenschlägt. Seine Mutter gerät außer sich,
nachdem ihr der junge Soldat mit einem widerwärtigen Scherz den wahren Grund
für den stinkenden Rauch verraten hat, der aus dem Lagerkamin dringt.
Ebenso verunsichert
Bruno die Veränderung seiner Schwester, die nach den Indoktrinationen ihres
Lehrers und vor lauter Schwärmerei für Leutnant Kotler ihr Zimmer mit
Nazipropaganda tapeziert. Doch nicht nur die Atmosphäre in seinem Zuhause
verdüstert sich, auch von Shmuel hört er seltsame Geschichten, und so stellt er
sich die Fragen, ob auf der anderen Seite des Zaunes nicht schlimme Dinge geschehen
und ob sein Vater wirklich der gute Mensch ist, für den er ihn immer gehalten
hat.
Eines Tages
findet Bruno zu seiner Überraschung Shmuel im Haus, der gerade Gläser poliert,
und gibt ihm ein Stück Kuchen. Doch beide werden von Leutnant Kotler erwischt,
der Shmuel des Essensdiebstahls bezichtigt. Anstatt seinen Freund gegen den
brutalen Soldaten zu verteidigen, sagt Bruno, er hätte Shmuel nie zuvor
gesehen. Krank vor Reue kommt Bruno danach immer wieder an den Zaun, aber der
Junge im gestreiften Pyjama ist verschwunden. Als Shmuel endlich wieder
erscheint, trägt er im Gesicht eine schlimme Verletzung von Leutnant Kotlers Fausthieben,
und Bruno ist zutiefst beschämt. Doch Shmuel vergibt ihm, und die beiden nehmen
ihre freundschaftliche Beziehung wieder auf.
In der
Zwischenzeit gibt es zwischen Brunos Eltern solche Spannungen, dass sich der
Vater entschließt, die Frau und Kinder zu einer Tante nach Heidelberg zu
schicken. Der Umzug, den Bruno nach der Ankunft so verzweifelt ersehnte, ist
jetzt ein furchtbarer Schicksalsschlag, denn der Junge begreift, dass er
dadurch von seinem neuen besten Freund getrennt wird.
Bei einem ihrer
letzten Treffen erfährt Bruno, dass Shmuels Vater seit drei Tagen vermisst
wird. Er verspricht seinem Freund, nach ihm zu suchen – für ihn die Chance,
seinen früheren, schmachvollen Verrat wieder gut zumachen. Am Tag des Umzugs
nach Heidelberg schleicht er sich hinaus, um Shmuel zu treffen. Mit einer
Schaufel bewaffnet, bricht er zu diesem letzten großen Abenteuer auf. Bruno
buddelt sich unter dem Zaun durch. Shmuel hat aus der Kleiderkammen einen „Pyjama“
für Bruno gesorgt und die beiden Jungen machen sich im Lager auf die Suche…
In der
Naivität Bruno’s spiegelt sich die Naivität der deutschen Bevölkerung die mit
zunehmender Zeit die Augen vor der Realität eigentlich nicht mehr verschließen
können. Beklemmend an der Geschichte ist, dass die Jungen auf beiden Seiten des
Zauns nicht wissen, was in dem Lager vor sich geht. Shmuel denkt immer noch,
seine Großeltern hätten auf der Reise in das Lager eine Infektion bekommen und
seien deswegen in ein separates Lazarett. In der Person von Bruno’s Mutter Elsa
hat der Film eine Figur, die die Wahrheit erkennt und damit umgehen muss, dass der
individuelle Wille hinter dem Willen des Führers zurückstecken muss.
Das gesamte
Setdesign transportiert die Stimmung des Films. Das Haus in Berlin hat einen
Blumengarten und hat einen hölzernen Innenausbau. Ganz anders das Haus bei dem
Lager. Vor den Fenstern sind hölzerne dunkele Festerläden, die wie Gitterstäbe
aussehen. Auch das Treppenhaus sieht aus Gitter. Mit dem Wachposten vor dem Tor
fehlt nicht viel zum Gefängnis.
SPOILER!
Am Ende hat
„das Böse“ in Person des Vaters seinen Verlust, der Sohn folgt eingeschüchtert
einer Gruppe KZ-Insassen in eine „Dusche“. Es bringt einen zum Denken, dass man
zunächst den Tot des Jungen verdaut.
Erst danach
öffnet sich die Wahrnehmung und man denkt darüber nach, dass mit dem Jungen ein
ganzer Raum von Häftlingen gestorben ist, wie auch davor unzählige Weitere.
Der Film hält
einen zwar durchaus gefangen. Als Gedankenspiel wäre es jedoch mal interessant, eine
Kurzfilmfassung von ca. 20 Minuten Länge zu sehen. Wahrscheinlich könnte man
darin die wesentlichen Szenen des Films unterbringen und hätte vermutlich eine dichtere
Fassung.